M. L. King

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Vorbilder

Dr. Martin Luther King Jr. zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Seinen erfolgreichen gewaltlosen Kampf gegen die Diskriminierung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten führte er inspiriert von den Gedanken und Methoden Gandhis. 1964 erhielt er den Friedensnobelpreis. Der folgende Text skizziert die wesentlichen Stationen des Lebens und Wirkens von King, der wie Gandhi einem Attentat zum Opfer fiel. Was sonst noch in diesem Abschnitt zu finden ist, zeigt nachstehende Tabelle:

Leben und Werk: Sie finden die wichtigsten Stationen im Leben von Martin Luther King aufgelistet und verlinkt mit den weiteren Teilen des Abschnitts sowie mit Hintergrundinformationen.

Zitate und Reden: Neben einer kleinen Sammlung von Zitaten finden Sie in diesem Abschnitt zwei der berühmtesten Reden Kings einschließlich einer Hörprobe zum Download.

Hintergrund: Neben einer kurzen Chronologie zur Bürgerrechtsbewegung bietet dieser Abschnitt zentrale Hintergrundinformationen zum Verständnis des Wirkens von Martin Luther King.

Materialien: Dieser Abschnitt versammelt Texte über King, insbesondere einen Text von Prof. H. Grosse über die Bedeutung Martin Luther Kings für uns heute, den Sie sich unbedingt anschauen sollten.

Linkliste: Ausgewählte Informationsquellen im Internet zu Martin Luther King werden auf dieser Seite beschrieben, um Ihnen die Recherche zu erleichtern.

Zitat

"Dunkelheit kann Dunkelheit nicht vertreiben; nur Licht kann das. Hass kann Hass nicht vertreiben; nur Liebe kann das."
[Dr. Martin Luther King Jr.]

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Sieg durch Gewaltlosigkeit — Martin Luther King (1929-1968)

Am 15. Januar 1929 wurde dem Baptistenprediger James King und seiner Frau in Atlanta, im Staat Georgia, ein Sohn geboren. Nach der Sitte des Landes erhielt er als Vornamen die Namen einer vorbildlichen Persönlichkeit: Martin Luther. (...)

Er konnte nicht ahnen, dass diese Stadt seinem Leben die entscheidende Wende geben würde

Martin Luther hatte das Vorrecht, die Schule zu besuchen und anschließend zu studieren. Zielstrebig bereitete er sich auf das Leben vor. Als er nach einem glänzenden Hochschulabschluss zwischen verschiedenen aussichtsreichen Stellen wählen konnte, entschied er sich, eine Stelle in Montgomery anzunehmen. Er konnte nicht ahnen, dass diese Stadt seinem Leben die entscheidende Wende geben würde.

Montgomery, die Hauptstadt von Alabama, in den Südstaaten der USA gelegen, litt damals unter den sich immer mehr anbahnenden Rassenspannungen. Der junge Pfarrer der Baptistenkirche wurde Zeuge ständiger Querelen, denen seine Gemeindeglieder ausgesetzt waren.

King kam nicht unvorbereitet in diese Situation. Während seines Studiums hatte er oft die Probleme der Schwarzen im Lande beobachtet. Er hatte auch bezüglich der strukturellen Veränderungen nachgedacht, die er für das Zusammenleben im Lande als dringend erforderlich ansah. Wertvolle Hinweise hatte er durch das Leben und Wirken Gandhis erhalten. Immer mehr gelangte er zu der Überzeugung, dass Gewalt erneut Gewalt hervorrufen müsse. Gewaltlosigkeit als Mittel, einen dauerhaften Erfolg zu erzielen, erschien ihm immer mehr als einzig brauchbarer Weg, die gesellschaftlichen Probleme auch in Amerika zu lösen. King berief sich dabei von der Lehre her ganz auf Jesus. Für die praktische Ausführung bediente er sich der Methoden Gandhis.

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Die schwarze Bevölkerung beschloss einen Boykott der Omnibusgesellschaft

Die Auseinandersetzung kam sehr bald. Am 1. Dezember 1955 ereignete sich in Montgomery eine fast alltägliche Geschichte. In einem der unzähligen Busse, die an jenem Tag die Arbeiterinnen und Arbeiter von ihren Arbeitsstellen nach Hause fuhren, saß Rosa Parks, Näherin in einem Kaufhaus. Sie war müde von der Arbeit, döste vor sich hin. Nachdem das für weiße Fahrgäste reservierte Busabteil besetzt war, forderte der Fahrer einige Neger auf, ihre Plätze für Weiße zur Verfügung zu stellen, ganz nach hinten zu gehen und stehend die Fahrt fortzusetzen.

Drei schwarze Fahrgäste gehorchten; sie hatten sich offenbar an diesen Zustand gewöhnt. Rosa Parks jedoch war zu müde. Ruhig, aber bestimmt lehnte sie die Aufforderung des Fahrers ab. Der Busfahrer rief die Polizei. Diese brachte den lästigen Fahrgast zur Wache und erstattete eine Anzeige. Auch ein alltäglicher Vorfall. Diesmal sollte dieser Zwischenfall hohe Wellen schlagen.

Die schwarze Bevölkerung beschloss einen Boykott der Omnibusgesellschaft, um endlich ihre Rechte zu erreichen. Es wurde zu einer großen Versammlung eingeladen. Die Mehrheit der Anwesenden hatte sich für den Streik ausgesprochen. Präsident der Bürgerinitiative wurde der junge Baptistenpfarrer Dr. Martin Luther King. Er schlug eine gewaltlose Durchführung des Streiks vor.

Am 21. Dezember 1956 fuhren zum ersten Mal wieder Schwarze mit den Bussen Montgomerys

Heute ist es noch spannend zu lesen, wie die schwarzen Bürger Montgomerys keine Mühe scheuten, ohne Busse zurechtzukommen: zu Fuß und mit Fahrrädern; in Fahrgemeinschaften und mit ihren eigenen Autos hielten sie die nötigsten Liniendienste aufrecht. Ein gutes Jahr später fiel die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes zugunsten der Streikbewegung aus. Am 21. Dezember 1956 fuhren zum ersten Mal wieder Schwarze mit den Bussen Montgomerys. Jetzt jedoch ohne die diskriminierenden Einschränkungen der früheren Jahre.

Martin Luther King hatte sich voll in seine Aufgabe als Präsident hineingestellt. Als während des Busstreiks ein Bombenattentat auf sein Haus verübt wurde und dadurch das Leben seiner Familie bedrohte, riefen weite Kreise der schwarzen Bevölkerung nach einer bewaffneten Auseinandersetzung. King beschwor die aufgebrachte Menge: "Dieses Problem können wir nicht lösen, indem wir auf Gewalt mit Gewalt antworten."

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Er verglich die Verfassung und die Unabhängigkeitserklärung mit einem ungedeckten Scheck

Überall wurde King zu Demonstrationen, zu Vorträgen und Predigten gerufen. Unermüdlich nahm er seine Aufgabe wahr, rüttelte die Zuhörer auf und stärkte ihr Bewusstsein für das Anliegen des gewaltlosen Widerstandes. Der Sieg in Montgomery hatte die Bürgerrechtsbewegung mutig gemacht. Jetzt galt es, nicht auf halbem Wege stehenzubleiben, sondern die Rechte der schwarzen Bevölkerung auch im Lande einzufordern.

Im August 1963 kam es zum Höhepunkt mit dem gewaltlosen Marsch auf Washington. Hunderttausende waren der Einladung gefolgt. Sie versammelten sich unter freiem Himmel. Martin Luther King hielt die Rede während dieser einmaligen Demonstration, die in Amerika einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Er verglich die Verfassung und die Unabhängigkeitserklärung mit einem Scheck, der im Blick auf die schwarze Bevölkerung Amerikas bisher nicht eingelöst worden sei, sondern den Stempel "Keine Deckung vorhanden" erhalten habe. "Aber wir weigern uns zu glauben, dass die Bank der Gerechtigkeit bankrott ist."

Mit dem Ruf "Freedom now" (...) geißelte er Polizeibrutalität, Verweigerung des Zutritts in öffentlichen Einrichtungen, Beschränkung der Freizügigkeit, Rassentrennung und Entziehung des Wahlrechts. Er beschloss seine Rede mit den inzwischen weltweit bekannt gewordenen Sätzen:

"Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den hohen Hügeln in Georgia die Söhne der früheren Sklavenhalter gemeinsam mit uns an dem Tisch der Brüderlichkeit sitzen können. Ich habe einen Traum, dass eines Tages selbst der Staat Mississippi, in dem die Ungerechtigkeit schwelt und mit dem Feuer der Unterdrückung ihr Wesen treibt, sich in eine Oase der Freiheit und Gerechtigkeit verwandeln wird. Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einem Volk leben werden, in dem man sie nicht nach der Farbe ihrer Haut behandelt, sondern nach dem, was ihr Charakter aus ihnen macht. Das ist unsere Hoffnung. Und es ist meine Zuversicht, dass ich zurückgehen werde in den Süden, mit — ja mit diesem Glauben, dass wir den Berg der Verzweiflung verwandeln können in einen Felsen der Hoffnung."

[Den kompletten Text der berühmten Rede finden Sie im Abschnitt "Zitate und Reden": Ich habe einen Traum]

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Den dritten Sieg erlebte Martin Luther King nicht mehr

(...) Die Bürgerrechtsbewegung konnte nach und nach auf Erfolge verweisen. Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 bestimmt, dass Einrichtungen, die Speisen, Unterkunft, Unterhaltung oder Benzin anbieten, keinerlei Diskriminierung ausüben dürfen. Jeder, der sechs Schuljahre nachweisen kann, besitzt die bildungsmäßigen Voraussetzungen, an Wahlen teilzunehmen. Jede Diskriminierung auf den Gebieten des Arbeits- und Beschäftigungswesens wird untersagt.

1965 gab ein weiteres Gesetz den Südstaatennegern die Möglichkeit verstärkter Wahlbeteiligung. Den dritten Sieg erlebte King nicht mehr. Am 10. April 1968 wurde eine Gesetzesvorlage angenommen, die eine Beendigung der Diskriminierung beim Verkauf von Häusern und bei der Vermietung von Wohnungen proklamierte.

Die Welt wurde durch die Nachricht erschüttert, Dr. Martin Luther King sei einem Attentat zum Opfer gefallen

Die Welt hatte in vermehrtem Maß Notiz von den Vorgängen in Amerika genommen. Gewürdigt wurde dies durch die Verleihung des Friedensnobelpreises. Als Martin Luther King mit seiner Frau Coretta in Stockholm an der Preisverleihung teilgenommen hatte, besuchten sie mehrere europäische Städte und warben dabei für die Bürgerrechtsbewegung und den Gedanken der Gewaltlosigkeit.

Die Welt wurde am 4. April 1968 durch die Nachricht erschüttert, Dr. Martin Luther King sei einem Attentat zum Opfer gefallen. Er war zu einer großen Bürgerrechtsversammlung nach Memphis gekommen. Ausschreitungen der Polizei gegen farbige Müllarbeiter hatten Gewitterwolken am Horizont heraufziehen lassen. King rechnete damit, dass ihn eines Tages der gewaltsame Tod treffen könnte. Dennoch konnte ihn dies nicht abhalten, für seine geächteten Mitbürger einzutreten. Er war davon überzeugt, dass eines Tages die Überwindung jeglicher Rassendiskriminierung möglich sei.

"Mit Martin Luther King starb das Prinzip der Gewaltlosigkeit. Zu glauben, dass es noch zu retten ist, wäre Selbstbetrug." Diese harten Worte schrieb ein Journalist nach dem Mord. Die Zunahme kriegerischer Auseinandersetzungen scheint diesem Urteil recht zu geben. Was wäre, wenn die Forderung nach Gewaltlosigkeit verstummte? Die Idee der Gewaltlosigkeit darf nicht sterben.

[entnommen aus: Gerhard Zimmermann, Sie widerstanden, Neukirchen-Vluyn 1995, 55ff.]

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