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Europäische Union

Analyse des Integrationsprozesses (II) - Bilanz

Zum Ertrag der Analyse des Integrationsprozesses

Analyse und Prognosen zu jedem Zeitpunkt möglich?

Auf dieser Seite bilanzieren wir die Erkenntnisse aus dem Überblick über fast 60 Jahre Integrationsprozess. Dabei steht die Frage im Vordergrund:Wie geht es wohl weiter? Hat die Beschäftigung mit der EU-Entwicklung in einem Gesamtüberblick Erkenntnisse und Einsichten vermittelt, die helfen könnten, diese Frage einigermaßen fundiert zu beantworten?

Ich persönlich bin der Überzeugung, dass wir in der Tat eine Menge gelernt haben und der frageorientierte historische Überblick uns das Instrumentarium an die Hand gegeben hat, um die EU zu jedem beliebigen Zeitpunkt fundiert untersuchen und in einem gewissen Umfang auch vorsichtige Prognosen zu ihrer weiteren Entwicklung abgeben zu können. Lassen Sie mich das am folgenden Schaubild zeigen. Dabei sind rechts oben noch einmal die zentralen Fragen aufgeführt, die sich uns im Zusammenhang mit der EU stellen (1).
 

Raster zur Erklärung der EU-Entwicklung

Die Antworten dazu lassen sich nun aus der konkreten Konstellation der von uns identifizierten Bestimmungsfaktoren ableiten (2), deren konkrete Konstellation zu einem gegebenen Zeitpunkt die Merkmale der EU bestimmt (3). Wenn Sie beispielsweise den Faktor Entscheidungsregeln dahingehend verändern würden, dass Sie durchgängig Entscheidungen mit qualifizierter Mehrheit einführten, würde sich dadurch die EU in Richtung mehr Supranationalität verändern, sich eher an den Zustand annähern, wie er uns von Nationalstaaten her bekannt ist.
 

Anwendung (1): EEA und Binnenmarkt

Lassen Sie uns jetzt den Erklärungswert dieses Modells testen, indem wir zwei unterschiedliche Phasen in der EU-Entwicklung einander gegenüberstellen, und zwar die Zeit vor der EEA – eine Zeit des Aufbruchs und der Dynamik nach langer Stagnation – und die derzeitige Situation, in der es scheinbar nicht mehr weiterzugehen scheint. Lässt sich das aus der (unterschiedlichen) Konstellation der Determinanten erklären?

Sehen wir uns dazu zunächst einmal die Situation vor EEA und Binnenmarkt an. Hier ist ganz offensichtlich, dass im Hinblick auf unsere Bestimmungsfaktoren eine ausgezeichnete Situation vorhanden war (+). Nur der aus dem Luxemburger Kompromiss hervorgegangene Entscheidungsmodus der Einstimmigkeit erwies sich als negativer, deutlich erschwerender Faktor (-).


 

Anwendung (2): Situation 2005 nach Referenden

Fast umgekehrt in Bezug auf die hemmenden (-) und begünstigenden (+) Einflussfaktoren zeigt sich die Situation im Jahr 2005. Nur die nach wie vor außerordentlich ausgeprägten funktionalen Zwänge und äußeren Herausforderungen üben nach wie vor einen großen Druck in Richtung Anpassung der Institutionen und Spielregeln aus.


 

Fazit

Damit sind wir am Ende des Durchgangs durch die EU-Geschichte und der Versuche zur Erklärung der Integrationsentwicklung angekommen. Ich hoffe, dass ich Ihnen mit dem Modell, das gerade beispielhaft angewendet wurde, ein Instrumentarium an die Hand geben konnte, das Ihnen nicht nur hilft, Ereignisse in der Vergangenheit zu erklären und zu verstehen, sondern ebenso aktuelle und zukünftige Entwicklungen besser deuten und verstehen zu können.

Nun gilt es, im nächsten Grundkurs (4) das komplexe Institutionengefüge zu analysieren, das sich als Ergebnis der eben untersuchten Prozesse im Verlaufe der Zeit herausgebildet hat

[Autor: Prof. Dr. Wolfgang Schumann]

... weiter zur Grundkurs 4: Institutionen des EU-Mehrebenensystems ...


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