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Besonderheiten der Osterweiterung
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Hohe Zahl
der Beitrittskandidaten |
Was die Besonderheiten der Osterweiterung angeht, so
ist hier zunächst die Zahl der Beitrittskandidaten
zu nennen, die um ein Vielfaches höher liegt als
jemals zuvor. Diese große Anzahl schaffte im
Verhandlungsprozess außerordentliche Probleme beim
Austarieren der innergemeinschaftlichen Interessen.
Der Vollzug des Beitritts hat die bereits vorher
ausgeprägte Heterogenität der EU-15 noch einmal
massiv erhöht.
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MOEL in
tief greifendem Transformationsprozess |
Die MOEL, die vor
einigen Monaten der EU beitreten sind, sind intern in einem tief
greifenden Transformationsprozess begriffen. Darin einbezogen sind
auch die Institutionen in Staat, Verwaltung und Wirtschaft, deren
Rolle in einer marktwirtschaftlichen Ordnung zum Teil erst noch
bestimmt werden muss und die einen sehr fragilen, unfertigen
Charakter aufweisen. Gerade sie aber müssen für die Durchführung und
Kontrolle des kompletten EU-Regelwerks unbedingt verlässlich
funktionieren! Diese offensichtlichen administrativen Schwächen
selbst bei den fortgeschrittensten Beitrittskandidaten lassen bei
der Umsetzung etwa der Strukturpolitik gravierende Schwierigkeiten
erwarten.
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Niedriges
ökonomisches Niveau der Neumitglieder |
Hinzu kommt
das niedrige ökonomische Entwicklungsniveau der Neumitglieder,
die mit durchschnittlich 32 Prozent des BIP pro Kopf zum
EU-Durchschnitt dauerhafter Förderung bedürfen. Stärker als bei
allen vorherigen Erweiterungen wird die EU zur
Entwicklungsgemeinschaft.
Das bleibt
alles noch ziemlich allgemein. Ich möchte deswegen beispielhaft
konkretisieren, welche Probleme damit für die EU verbunden sind.
Diese zeigen sich besonders deutlich in den Bereichen Agrar- und
Strukturpolitik, wobei ich dies hier nur mit einigen Zahlen
andeuten kann.
Machen wir uns zunächst noch einmal die
enormen Wohlstandsunterschiede klar. Hier gibt es
bereits in der EU große Unterschiede. Das
Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Dänemark liegt zum
Beispiel ein Viertel über dem EU-Durchschnitt (125%),
wohingegen Portugal und Griechenland nur auf die Hälfte
(50%) kommen. Polen und Ungarn, also zwei der
fortgeschrittensten Beitrittskandidaten, kommen aber
wiederum mit ihrem derzeitigen BIP nur auf die Hälfte
dieser beiden ärmsten EU-Mitgliedstaaten!

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| EU-intern
umfassende Reformen notwendig |
Wenn nur diese beiden im
Bereich der Agrar- und Strukturpolitik
gleich behandelt würden wie Portugal und
Griechenland, würde das allein einen
zusätzlichen Kostenaufwand von jährlich rund
einem Drittel des derzeitigen
Gesamthaushalts der EU verursachen (2004
rund 100 Milliarden Euro)! Der Löwenanteil
dieser Transfers würde dabei in der
Agrarpolitik anfallen. Das hängt unter
anderem damit zusammen, dass in Polen — wie
gesagt, einem der fortgeschrittensten
Bewerber — heute noch rund ein Fünftel der
Bevölkerung in diesem Sektor tätig ist — im
EU-Durchschnitt dagegen nur noch stark 5
Prozent.
Lassen wir es mit diesen
Beispielen bewenden. Ich denke, Sie
vermitteln einen hinreichenden Eindruck von
der Größe der Schwierigkeiten und belegen,
dass im Zusammenhang mit der Erweiterung
EU-intern umfassende Reformen unabdingbar
sind.
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[Autor: Prof. Dr. Wolfgang Schumann]
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