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Europäische Union

Grundkurs 5: EU-Recherche im Internet

Soziale Suche, Blog- und Dokumentensuche (Typ 3 und 4)


Hintergrund



Web 2.0

Bevor wir uns näher mit diesen Suchtypen auseinandersetzen, wollen wir uns kurz die Hintergründe dafür ansehen, die diese Suchinstrumente überhaupt erst sinnvoll und vielversprechend gemacht haben. Dabei handelt es sich um die Tatsache, dass schnellere Internetverbindungen und neue Technologien es den Internetnutzern ermöglicht haben, sehr leicht eigene Inhalte für das Web zu produzieren und dort zu veröffentlichen. Diese Inhalte, von den eigenen Bookmarks oder Favoriten - also Links zu den Internetquellen, die man besonders interessant und wichtig findet - über Blogbeiträge, Dokumente, Fotos, Videos und vieles andere mehr, können mit anderen geteilt und sogar gemeinsam bearbeitet werden.

Erst diese Voraussetzungen haben Phänomene wie Wikipedia (http://tinyurl.com/2unsh), die mit weitem Abstand größte Online-Enzyklopädie der Welt, Flickr (http://flickr.com), YouTube (http://youtube.com), Facebook (http://www.facebook.com) usw. möglich gemacht. Sie haben zur Herausbildung dessen geführt, was gemeinhin mit dem Begriff Web 2.0 bezeichnet wird, und den Umfang der im Internet verfügbaren Informationen in geradezu unglaublicher Weise anwachsen lassen.



user generated content


soziale Suche


Darum, den "user generated content", dessen Anteil an der Gesamtmasse immer größer wird, zu durchsuchen und sich nutzbar zu machen - darum geht es bei der sozialen Suche und der Dokumenten-/Blogsuche.

Dabei verstehen wir unter sozialer Suche die Nutzbarmachung der Aggregationsleistungen, die Internetnutzer bei der Erschliessung der im Web vorhandenen Informationen leisten, indem Sie beispielsweise Internetquellen online sammeln, taggen - das heißt mit Schlagworten versehen -, öffentliche Literaturlisten anlegen oder Rezensionen etwa bei Amazon schreiben etc., und uns allen auf diese Weise den Zugang zu und die Erfassung von Informationen erleichtern.



Dokumenten- und Blogsuche


Bei der Dokumenten- und Blogsuche dagegen geht es darum, Inhalte zu finden, die von Internetnutzern selbst - individuell oder gemeinsam - verfasst und publiziert wurden und insofern zu den vorhandenen Informationen hinzukommen.

Diese Unterscheidung erscheint mir umso sinnvoller, als für die Erschließung der beiden Typen von user generated content jeweils andere Instrumente und Dienste notwendig sind. Zunächst werden wir uns der sozialen Suche widmen, bevor wir uns im nächsten Abschnitt der Blog- und Dokumentensuche zuwenden.






EU Bookmarks auf Diigo



Soziale Suche

Lassen Sie uns mit einem EU-relevanten Beispiel beginnen, bei dem es um social bookmarking geht.
Der Screenshot zeigt Ihnen die Eingangsseite unserer (1) öffentlich zugänglichen Bookmarksammlung auf Diigo (http://tinyurl.com/5c3qzk), einem Online Bookmarking-Dienst.

Dort haben wir über die letzten Jahre hinweg alle uns interessant und wichtig erscheinenden Quellen (Literatur, Internetquellen, News etc.) zur EU mit einem Schwerpunkt auf die Verfassungsdiskussion inklusive dem Lissaboner Vertrag sowie zur Erweiterung zusammengetragen.

In der Mitte (2) sehen Sie die einzelnen Einträge mit Tags (Schlagworten) versehen; rechts (3) einen Teil der von uns vergebenen Schlagworte als Tag-Cloud.




 


für die EU-Recherche geeignete Soziale Bookmarkdienste

Empfehlenswerte Dienste für EU-Recherchen:

Citeulike: http://www.citeulike.org
ein Dienst speziell für wissenschaftliche Arbeit; sehr zu empfehlen. Hier finden Sie vor allem Literaturhinweise

Delicious: http://del.icio.us
der größte soziale Bookmarkdienst, dessen Nutzer überwiegend Internetquellen referenzieren

Diigo: http://www.diigo.com
vor allem wegen der häufig vorhandenen zusätzlichen Informationen zur Quelle sehr hilfreich

Furl: http://furl.net
vergleichsweise viele Ergebnisse zu EU-bezogenen Suchen; Nachteil: keine zusätzlichen Informationen zur Quelle vorhanden



Handhabung


Die Suche mit sozialen Bookmarkdiensten stellt sich denkbar einfach dar. Sie geben einfach die Tags ein, nach denen Sie suchen wollen - in unserem Beispiel lisbon treaty -, und klicken dann auf Search. Wie Sie sehen können, erhalten wir nur eine recht begrenzte Anzahl von Ergebnissen, die den Namen der Quelle mit Link, die Tags, unter denen diese abgelegt wurden, sowie die Anzahl der Personen - im ersten Fall 22 - anzeigen, die die jeweilige Quelle gespeichert haben.




 


Vorteile

Wo liegen die Vorzüge der Suche mit derartigen Diensten? Sie liegen erstens darin, dass Sie eine überschaubare, handverlesene Auswahl von Quellen angezeigt bekommen. Es besteht also keine Notwendigkeit, sich mit Hunderttausenden von Resultaten auseinanderzusetzen.

Sehr hilfreich kann zum zweiten die Option sein, mit einem Mausklick zu den Personen zu springen, die den entsprechenden Link gespeichert haben. Das würde Sie beispielsweise bei Diigo zu unserer Bookmarksammlung führen und Ihnen die Möglichkeit bieten, diese über einen RSS-Feed zu abonnieren. Das heißt, Sie würden jedes Mal, wenn ich eine Quelle speichere, automatisch informiert und sich so auf dem Laufenden halten können, ohne selbst suchen zu müssen!

Drittens schließlich genügt - wenn Sie ebenfalls bei dem Dienst einen Account besitzen - ein Mausklick auf "save this", um die Quelle Ihrer eigenen Bookmarksammlung hinzufügen.

Soziale Suche bedeutet also, auf die Kategorierungs- und Sammelleistungen anderer Internetnutzer zurückzugreifen, um auf diese Weise Zeit zu sparen und seine Recherchen zu effektivieren. Dabei handelt es sich übrigens in vielen Fällen durchaus um keine Einbahnstrasse, weil viele, die diese Dienste und Instrumente zur Suche nutzen, ihrerseits auch selbst zu dem sich immer mehr erweiternden Wissensbestand im Web beitragen, indem sie selbst derartige Sammlungen zu ihren Interessens- und Forschungsgebieten aufbauen und öffentlich zur Verfügung stellen.






Einführung



Blog- und Dokumentensuche

Selbstverständlich hätten die Blog- und Dokumentensuche auch unter der Rubrik Spezial-Suchmaschinen eingeordnet werden können. Da es sich aber um aufs Engste mit dem Web 2.0 verbundene Formen nutzergenerierter Inhalte handelt, möchten wir sie im Zusammenhang mit der sozialen Suche behandeln.

Was ihren Einsatz in der EU-Recherche angeht, so ist zu sagen, dass Blogs für diesen Bereich mittlerweile eine Fülle von einschlägigen Inhalten liefern. Sie finden hier Informationen, die anderswo so nicht zu finden wären.

Angesichts der Fülle an vorhandenen Suchinstrumenten werden wir wieder exemplarisch vorgehen, das heißt für Blog- und Dokumentensuche jeweils eine besonders gute Suchmaschine ausführlicher behandeln und dann in einer Übersicht ergänzend weitere benennen.





Handhabung



Blog-Suche mit Ask

Sehen wir uns einen der derzeit besten Dienste in diesem Segment an, die Blog-Suche von Ask (http://www.ask.com). Klicken Sie auf der Eingangsseite von Ask zunächst auf das Blog-Icon oberhalb des Feldes zur Eingabe der Suchbegriffe und wechseln Sie dann mit einem Klick auf "Advanced" unterhalb dieses Feldes zur fortgeschrittenen Suche. Dort stehen Ihnen, wie der nachstehende Screenshot zeigt, zahlreiche Filtermöglichkeiten zur Verfügung.

So können Sie nicht nur nach Blog-Postings, sondern alternativ auch nach RSS-Feeds oder News (1) suchen. Sie haben die Möglichkeit, über die Sortierung der Ergebnisse zu entscheiden (2), können durch Eintragen Ihrer Suchbegriffe in die entsprechenden Felder (3) sehr komplexe Abfragen formulieren und schließlich präzise den Zeitraum bestimmen, innerhalb dessen gesucht werden soll (4). Interesse verdient auch das - in der Beispielsuche nicht genutzte - Dropdownfeld "Location of words", mit dem Sie unter anderem gezielt im Titel, im Betreff des Postings, nach dem Autor und anderem mehr suchen können.




 


Ergebnisse

Welche Art von Informationen kann mit einer Blog-Suche gefunden werden? Wir suchen nach Postings zum Lissaboner Vertrag und Irland im Zeitraum direkt vor und nach dem irischen Referendum und bekommen dazu fast 200 Ergebnisse angezeigt. Lassen Sie uns einen Blick auf einige ausgewählte werfen, um einen Eindruck davon zu gewinnen, welche Informationen Ihnen Blog-Postings liefern können. Nacheinander sehen Sie in den folgenden Screenshots dezidiert subjektive Einschätzungen zum Thema, hilfreiche ergänzende Informationen (Gründe für das "Nein") und auch eine umfangreiche Auseinandersetzung mit dem Thema.










 


Blogosphäre

Wir müssen es mit diesen drei Beispielen bewenden lassen. Sie haben Ihnen einen ersten Eindruck verschafft und gezeigt, dass - selbstverständlich in Abhängigkeit von Ihrem speziellen Suchanliegen - Resultate aus der sogenannten Blogosphäre außerordentlich hilfreich sein können und Sie nicht darauf verzichten sollten - und in manchen Fällen sogar zwingend darauf angewiesen sind. Natürlich können Sie die Ergebnisse nicht für bare Münze nehmen. Sie finden naturgemäß alle möglichen persönlichen Meinungsäußerungen, die Sie kritisch hinterfragen müssen.

Bleibt noch darauf hinzuweisen, dass Sie - je nach Blog-Suchmaschine - eine ganze Reihe von Möglichkeiten haben, Ihre Suchresultate zu nutzen. Sie können beispielsweise bei Ask Ihre Suche abonnieren, werden also jedesmal informiert, wenn neue Suchresultate dazukommen. Abschließend noch eine Übersicht über empfehlenswerte Blog-Suchmaschinen:



gute Blog-Suchmaschinen


Google Blogsuche: http://tinyurl.com/6bcf62
fortgeschrittene Suche verwenden; nutzt den riesigen Google Datenbestand und erbringt hervorragende Resultate

Icerocket: http://www.icerocket.com

Blog-Suche Spezialist mit sehr guter fortgeschrittener Suche

Technorati Search: http://search.technorati.com

blitzschnelle Blog-Suche mit guten Resultaten






wenig zur EU



Dokumentensuche mit Docstoc

Für die EU-Recherche, ganz im Gegensatz zu vielen anderen, vor allem technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen und Bereichen, spielen Dokumentensharing-Dienste und die Dokumentensuche noch eine untergeordnete Rolle. Wir haben bei unseren Recherchen nur einen einzigen Dienst entdecken können, der wirklich in größerem Umfang relevante Resultate zu EU-bezogenen Suchen erbrachte, und das war Docstoc (http://www.docstoc.com). Eine bewusst allgemeine gehaltene Suche nach "european union" erbringt dort folgende Ergebnisse:




 


Filter

Zunächst fallen die zahlreichen Filtermöglichkeiten auf der linken Seite ins Auge, mit deren Hilfe Sie die Ergebnismenge gezielt weiter reduzieren und sich beispielsweise nur die Präsentationen anzeigen lassen können. Darüber hinaus bieten die Tags bei jedem der angezeigten Dokumente die Option, gezielt Dokumente zu einem dieser Stichworte zu finden. Sehen wir uns jetzt an, wie Sie eine Powerpoint-Datei (zum "Decision Making Process in the European Union") in der Vorschau angezeigt erhalten:




 


Optionen

Das geschieht direkt im Webbrowser, das heißt, Sie benötigen keine lokale PowerPoint-Installation dazu! Außerdem werden Ihnen rund um dieses Dokument zahlreiche Funktionen offeriert: Sie können es herunterladen und auf Ihrer Festplatte speichern, es per E-Mail versenden, bewerten, wenn Sie einen Docstoc-Account besitzen, dort zu Ihrer Favoritensammlung hinzufügen, in eine Website oder einen eigenen Blogbeitrag einbetten etc.

Das sind faszinierende Möglichkeiten, die mit der zu erwartenden quantitativen Zunahme des Angebots an EU-bezogenen Quellen dazu führen werden, dass in absehbarer Zeit Dokumentensuche auch hier eine sehr bedeutsame Rolle spielen wird, die Sie deswegen als Option für die Zukunft unbedingt im Auge behalten sollten. Weitere Dokumentensharing und -Such-Dienste sind:



gute Dienste zur Suche nach Dokumenten


Scribd: http://www.scribd.com
sehr umfangreicher Bestand an vielen unterschiedlichen Dokumenttypen und exzellente Funktionen zur Dokumentverwaltung mit eigenem Account

Slideshare: http://www.slideshare.net

bietet nur - allerdings zum Teil wirklich exzellente - Präsentationen; bislang nur wenige EU-bezogene Dokumente
 

 



... weiter zu Typ 5: Semantische Suche ...

[Autor: Prof. Dr. Wolfgang Schumann]

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